Der Eurasier

Geschichte des Eurasiers

Davina von der Jungfernmühle Berlin

Die Rolle des Hundes hatte sich im letzten Jahrhundert deutlich gewandelt. Der Hund war primär nicht mehr Arbeitstier, sondern wurde mehr und mehr zum reinen Gefährten.

Dies bewog den Rassegründer Julius Wipfel (in Zusammenarbeit mit einem kleinen Kreis von Enthusiasten unter Mitwirkung des berühmten deutschen Verhaltensforschers Konrad Lorenz) vor nun 50 Jahren eine neue Rasse zu züchten, die sich primär durch die Fähigkeit, sich an verschiedene moderne Alltagssituationen und Lebensweisen anzupassen, auszeichnen sollte. Durch Kreuzung von Chow Chow und Deutschem Wolfsspitz entstand zunächst der "Wolf-Chow", der nach Einkreuzung des Samoyeden 1973 in "Eurasier" umbenannt und von der FCI anerkannt wurde.

 

 

 

Rassestandard

FCI Standard.doc
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Leiionspitz Unic

Der Eurasier ist ein mittelgroßer, mittelkräftiger, gut bemuskelter, spitzartiger Hund mit Stehohren und über dem Rücken getragener Rute. Die Gebäudeproportionen sollen harmonisch wirken. Er besticht durch eine Vielzahl an Farben und Farbkombinationen. Von der Zucht ausgeschlossen sind allerdings weiße Hunde, Weiß-Schecken sowie leberfarbige Hunde.

 

 

Die Schulterhöhe eines Rüden soll laut Standard zwischen 52 und 60 cm bei einem Gewicht von 23 bis 32 kg liegen. Hündinnen sollten eine Widerristhöhe von 48 bis 56 cm aufweisen und zwischen 18 und 26 kg wiegen. Zuchtziel sind allerdings jeweils die mittleren Größen- und Gewichtsangaben.

 

 

 

Wesen

Zitat FCI-Rassestandard:

"Selbstbewusst, ruhig, ausgeglichen mit hoher Reiz- schwelle, wach- und aufmerksam ohne lautfreudig zu sein; mit stark ausgeprägter Bindung an seine Familie; Fremden gegenüber zurückhaltend, ohne aggressiv zu sein; ohne Jagdtrieb.

 

Zur vollen Ausbildung dieser Merkmale braucht der Eurasier ständigen, engen häuslichen Kontakt zu seiner Familie und eine verständnisvolle, jedoch konsequente Erziehung."

 

 

Wie bei einem Arbeitszeugnis muss man sich im Klaren sein, was hinter bestimmten Formulierungen steckt:

 

  • "selbstbewusst": der Hund besitzt durchaus seinen eigenen Willen und zeichnet sich nicht durch blinden Gehorsam aus; insgesamt denkt und handelt der Eurasier recht selbstständig.
  • "ruhig": Der Eurasier gehört nicht zu den besonders aktiven Rassen und benötigt für sein Wohlbefinden keine sportlichen Aktivitäten wie etwa Windhunde oder auch Gebrauchshunde. In der Wohnung legt er sich gerne an einen Platz und beobachtet das Geschehen. Natürlich kann man, außer Mannarbeit, viele Sportarten wie z.B. Agility auch mit dem Eurasier durchführen, sofern man keine Weltbestleistungen anstrebt. Insgesamt 1 1/2 bis 2 Stunden am Tag sollte der Eurasier aber durchaus spazierengehen.
  • "ausgeglichen mit hoher Reizschwelle": Der Eurasier soll wesensfest sein, das heißt, dass ihn in normalen Alltagssituationen so schnell nichts aus der Ruhe bringt und er nicht bei jeder Kleinigkeit (z.B. knallende Autotür) nervöses oder gestresstes Verhalten zeigt.
  • "wach- und aufmerksam ohne lautfreudig zu sein": Der Eurasier ist kein Kläffer, der grundlos minutenlang bellt. Aber er wird durchaus anschlagen, wenn es an der Tür klingelt oder jemand am Gartentor vorbeigeht. Er beobachtet seine Umgebung und nimmt Bewegungen schnell wahr.
  • "mit stark ausgeprägter Bindung an seine Familie": Der Eurasier will bei seiner Familie sein und macht jede Aktivität im Familienkreis gerne mit. Er bindet sich an alle Familienmitglieder, die sich mit ihm beschäftigen und geniest ausgiebige Schmusestunden mit diesen. Aber er kann daher auch nicht sehr gut in Hundepensionen oder bei Fremdpersonen untergebracht werden. Für Personen, die viel mit dem Flugzeug verreisen und ihren Hund dann in eine Hundepension geben wollen, ist der Eurasier daher weniger geeignet. Er leidet und trauert ohne seine Familie. Ebenso verbietet sich eine Zwinger- oder Hofhaltung.
  • "Fremden gegenüber zurückhaltend ohne aggressiv zu sein": Ein Eurasier mag sich nicht von jedem x-beliebigen Fremden anfassen lassen. Wird ihm die streichelwütige Hand entgegengestreckt, und dies ist ihm unangenehm, so wird er sich der Hand durch Wegdrehen oder Weggehen entziehen. Von Außenstehenden wird dies oft als ängstlich oder scheu missinterpretiert - damit müssen Sie als Eurasierbesitzer umgehen können.
  • "ohne Jagdtrieb": Der Eurasier soll nicht jagen. Da jedoch in den Ursprungsrassen Jagdtrieb vorhanden ist, kann dies durchaus noch bei einigen Eurasiern "durchschlagen". Mit Training ist dies jedoch meist gut in den Griff zu bekommen. Hat der Hund keinen Jagdtrieb, so wird er auch an Apportierspielen keinen Spass haben. Dem Eurasier müssen somit andere Spiele als Ball- oder Stöckchenwerfen angeboten werden.

 

Wie der Schlusssatz im Standard bereits andeutet, muss der Eurasier ganz klar im Kreise der Familie in der Wohnung gehalten werden, damit er die Bindung zu seiner Familie ausbilden kann. Ein scharfer Drill wie auf dem Schäferhundplatz verbietet sich genau so wie ein Verhätscheln des Eurasiers. Das zentrale Wort ist hier noch mehr als in der Hundeerziehung generell, wie bei allen Hunden des Urtyps übrigens, die Konsequenz. Der Eurasier braucht klare Regeln; was heute erlaubt ist, darf morgen nicht verboten sein und umgekehrt.