Grundsätzliches zur Hundezucht

Inzest - Inzucht - Linienzucht - Out-Crossing

 

Von Inzestzucht spricht man, wenn Tiere verpaart werden, die sehr nah miteinander verwandt sind (Verwandtschaft 1. Grades), also zum Beispiel bei der Verpaarung von Elterntieren mit den eigenen Nachkommen oder zwischen Wurfgeschwistern.

Genetisch ist eine Inzestzucht mit großen Gefahren verbunden, da sich Erbfehler häufen können. Eine Inzestzucht wird daher heute von Rassehundezuchtvereinen nur in Ausnahmefällen erlaubt. Sie ist allerdings nötig bei der Züchtung einer neuen Hunderasse bzw. um eine fast ausgestorbene Hunderasse zu erhalten.

 

Von Inzucht spricht man, wenn bewusst Hunde verpaart werden, die gemeinsame Vorfahren haben, die also näher miteinander verwandt sind als der Rassedurchschnitt. Dabei sind Tiere, die in der 5. Generation einen gemeinsamen Vorfahren haben natürlich enger miteinander verwandt als Tiere, die in der 8. Generation einen gemeinsamen Vorfahren aufweisen.

Durch Inzucht kann die Reinerbigkeit gesteigert werden, das heißt man kann gewisse Eigenschaften einer Rasse dadurch festigen, z.B. bestimmte Farben, Wesens- oder Typeigenschaften. Allerdings erhöht man dadurch in gleichem Maße die Zahl unerwünschter Erbfehler, da diese natürlich auch reinerbig werden können. Nachteile der Inzucht bezeichnet man als "Inzuchtdepression", die sich durch verminderte Leistung, Vitalität, Gesundheit und Fruchtbarkeit ausdrückt.


Linienzucht ist eine abgemilderte, maßvolle Form der Inzucht, bei der die eingesetzten Tiere bewusst miteinander verwandt sind. Linienzucht muss sehr verantwortungsvoll durchgeführt werden, da sich eben sowohl positive als auch negative Merkmale verdoppeln können. Es sollten daher nur Tiere in der Linienzucht Verwendung finden, deren Vorfahren, Verwandte und Nachkommen keinerlei genetische Defekte besitzen.

 

Out-Crossing oder Fremdzucht

Bei der Zuchtstrategie des Out-Crossing oder Fremdanpaarung werden bewusst Partner gewählt, die weniger miteinander verwandt sind als der Rassedurchschnitt. Hierdurch wird die Mischerbigkeit erhöht, das heißt die genetische Ähnlichkeit zwischen Eltern und Nachkommen wird gemindert, aber dadurch die Gesunderhaltung der Linie oder Rasse erhöht. Allerdings ist eine Festigung erwünschter Merkmale weniger möglich als bei der Linienzucht.

 

 

Inzuchtkoeffizient (IK) und Ahnenverlustkoeffizient (AVK)

  • Die Betrachtung des Inzuchtkoeffizienten erlaubt eine objektive Einschätzung des Verwandtschaftsgrades einer Verpaarung. Nach einer komplizierten Formel wird die Weitergabe-  wahrscheinlichkeit bestimmter Gene erfasst. Eine Welpe hat ja jeweils 50% seiner Gene von der Mutter, 50% vom Vater.

          Je kleiner der Wert einer Verpaarung, umso weniger sind die

          Tiere miteinander verwandt, bis hin zu einem IK von 0.

 

  • Bei der Berechnung des Ahnenverlustkoeffizienten wird betrachtet,  wie viele der theoretisch möglichen Ahnen auf eine bestimmte Anzahl von Generationen eine Verpaarung tatsächlich besitzt, d.h. ob unter den gemeinsamen Vorfahren Hunde mehrfach erscheinen. Auf z.B. fünf Generationen betrachtet gibt es 62 mögliche Ahnen. Kommt ein Hund doppelt im Stammbaum vor, so sind es folglich nur 61/62 Ahnen, der AVK beträgt in diesem Beispiel 98,39. Taucht die Doppelung weit "hinten" im Stammbaum auf, so kann eine Berechnung auf 4 Generationen 30/30, also einen AVK von 100 bei der gleichen Verpaarung ergeben.

          Beim AVK ist die Verwandtschaft der Hunde geringer, je näher

          der Wert an 100% liegt.