VDH, EKW und Auswahl eines guten Züchters

 

Die Zugehörigkeit zum VDH, dem Verein für das deutsche Hundewesen, dem 148 Rassehundeverbände angeschlossen sind, steht in der Regel für die Seriosität des Züchters und für verantwortungsvolle Hundezucht im Sinne einer Liebhaber- oder Hobbyzucht. Der Hundekäufer sollte jedoch stets im Einzelfall kritisch prüfen, ob es sich um einen "guten Züchter" handelt.

 

Mitglieder im VDH sind dabei strengen Auflagen unterworfen. Im EKW wird die Einhaltung der Zuchtordnung durch Zuchtleiter und Zuchtwarte überprüft, die die Aufzucht bei jedem Wurf mehrmals vor Ort begutachten.

 

Dabei ist der Begriff Hundezüchter deutlich von dem des Hunde-vermehrers zu unterscheiden. Die Hundezucht erfordert großes kynologisches Wissen und dient einem klar vorgegebenen Zuchtziel, welches bei jeder Verpaarung bedacht und genau überprüft wird, ohne dabei gesundheitliche Belange aus den Augen zu verlieren.

Hundevermehrer hingegen "produzieren" Hundewelpen der Rasse XY; die Verpaarungsentscheidung beruht oft alleinig auf der Tatsache, dass Mutter- und Vatertier der gleichen Rasse angehören.

 

 

Seien Sie bei der Auswahl eines Züchters kritisch - süße Hundebabys sollten Sie nicht dazu veranlassen, vor Missständen in der Zuchtstätte die Augen zu verschließen:

 

Ø  Die Welpen sollten tagsüber nicht unbetreut bleiben. Die ersten Wochen spielen eine zentrale Rolle für die Prägung und Sozialisation der Welpen - und ein paar Stunden am Ende eines Arbeitstages reichen für diese wichtige Aufgabe nicht aus!

-> Bedenken Sie, dass Sie mit diesem Hund zusammenleben wollen - er sollte auf den Menschen geprägt sein und diesen als vollwertigen Sozialpartner neben den Artgenossen anerkennen. Dies wird nur durch ständigen Kontakt zu Menschen erreicht. Ihr Hund sollte wesensfest und lernfähig sein - das wird er nur, wenn er in dieser Zeit vielfältige unterschiedliche Lernerfahrungen machen kann. Hundezucht ist eine "24/7"-Aufgabe, d.h. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Dies ist z.B. bei einer überwiegenden Zwingerhaltung nicht möglich.

 

Ø  Der Züchter sollte nicht zu viele Hunde halten. Dies kann einerseits auf einen Händler hindeuten. Andererseits bleibt sonst unter Umständen neben der Betreuung der erwachsenen Tiere nicht genug Zeit für die Aufzucht der Welpen, die einen enormen Zeitaufwand verursacht, oder aber die erwachsenen Tiere werden vernachlässigt. Gleiches gilt natürlich auch, wenn mehrere Würfe gleichzeitig großgezogen werden.

 

Ø  Finger weg von Hundehändlern! Das primäre Ziel dieser Menschen ist nicht das Wohl des Hundes, sondern der eigene Profit. Oft genug bekommt man keine nachprüfbaren / wahrheitsgemäßen Auskünfte über die Hunde, deren Aufzucht oder deren Elterntiere. Teils werden die Welpen aus dem Ausland antransportiert, und dabei enormem Stress ausgesetzt sowie zu früh von der Mutter getrennt. Ein solcher Welpe wird oft kein gesunder, wesensfester Hund, der den Menschen als Sozialpartner akzeptiert.

Meist bieten Hundehändler Tiere mehrerer Rassen gleichzeitig an. Werden Sie misstrauisch, wenn man Ihnen die Mutterhündin nicht zeigen will oder die Ihnen gezeigte Hündin offenkundig nicht die Mutter des Wurfes sein kann (kein ausgeprägtes Gesäuge, keine Bindung zu den Welpen).

 

Ø  Ein Welpe aus einer Zuchtstätte, in der mangelhafte hygienische Verhältnisse herrschen, kann durch Parasiten und Ähnliches gesundheitliche Probleme mit sich bringen. Er ist eventuell nicht entwurmt und geimpft.

 

 

Bitte denken Sie daran, dass Sie, wenn Sie einen Welpen aus solchen Verhältnissen kaufen, vielleicht um ihn zu"retten", durch Ihre "Nachfrage" leider lediglich dazu beitragen, dass das "Angebot" ausgeweitet wird, das heißt, dass noch mehr Welpen unter diesen furchtbaren Verhältnissen "produziert" und als Ware missbraucht werden.

 

 

Ein seriöser Züchter wird dem Kaufinteressenten mit einer kritischen Haltung begegnen, da für ihn nicht primär der Verkauf des Welpen im Vordergrund steht, sondern er möchte seine Welpen in passende Hände geben. Es versteht sich von selbst, dass oben angeführte Missstände in einer guten Zuchtstätte nicht vorhanden sind.

Diese Ansprüche sollten Sie aber zusätzlich an einen guten Züchter stellen:

 

Ø  Er beantwortet Ihre Fragen zur Verpaarung und Gesundheit und Wesen der Elterntiere ebenso bereitwillig wie zu Haltung und Aufzucht der Welpen und beweist große Kenntnis seiner Rasse. Er weist, spätestens auf Nachfrage, auch auf mögliche Probleme im Zusammenleben mit der von ihm gezüchteten Hunderasse hin und kann erklären, wie er die Welpen prägt und sozialisiert.

 

Ø  Er stellt Ihnen viele Fragen um herauszufinden, ob "seine" Rasse zu Ihnen, Ihrer Persönlichkeit, Ihren Lebensumständen und ihrem Lebensstil passt. Seien Sie dabei ehrlich zum Züchter und zu sich selbst - so können spätere Enttäuschungen vermieden werden. Es hat schwerwiegende Auswirkungen auf die Hundeseele, wenn ein Hund umplatziert werden muss, nur weil sich die Beteiligten im Vorfeld nicht ausreichend Gedanken gemacht haben.

 

Ø  Die Hunde in seinem Haushalt sind alle gepflegt, gut sozialisiert und die Mutterhündin ist wesensfest. Schön ist es, wenn weitere Hunde, z.B. ein Rüde, an der Erziehung der Welpen beteiligt sind. Dies ist allerdings kein Muss.

 

Ø  Den Welpen steht ein Welpengarten mit vielfältigen Lern- und Spielmöglichkeiten zur Verfügung und der Züchter legt durch eine Frühgewöhnung an Außenreize den Grundstein für die Entwicklung des Welpen zu einem wesensfesten Hund, der nicht bei der geringsten Stresssituation mit den klassischen Nervositätssymptomen reagiert.

 

 

Auch wenn ein Hund vom seriösen Züchter unter Umständen mehr kostet als vom Vermehrer oder Hundehändler, so ist dieser Preis nicht nur gerechtfertigt - Sie sollten ihn als Grundinvestition in Ihr Zusammenleben mit einem sozialverträglichen Hundepartner ansehen.

 

Sollten Sie sich für einen Mischlingshund entscheiden, gilt oben Gesagtes ebenso - auch hier sind die ersten Wochen im Leben des Welpen genauso entscheidend.